Die von Arnold Annen erbauten Funis (3)

Lenzerheide, Val Sporz-Tgantieni, 1935-1942

Geschichte

Der Beginn der touristischen Erschliessung der Lenzerheide begann auf Initiative der Skischule und der Hotellerie mit dem Bau der Funi von Val Sporz nach Tgantieni, die im Winter 1936/37 erstmals betrieben wurde. Diese Funi war das Vorbild für die Wildhauser Funi: Wildhauser Hoteliers lasen in der «Schweizer Illustrierten» eine Reportage über die Bahn und, nachdem sie sie besichtigt hatten, beschlossen sie, auch im Toggenburg eine solche Funi zu bauen.

Die Entstehung der Funi beschreibt Fritz Ludescher, Gemeindeschreiber der Gemeinde Vaz/Obervaz in einem Artikel im «Bündner Kalender 2005» wie folgt: «Im Oktober 1936 reichte die Genossenschaft «Funi» unter Federführung von Parkhotelwirt E. Rüegger — sekundiert von A. Poltera vom Grandhotel Kurhaus und Dr. G. Decurtins vom Grandhotel Schweizerhof in Lenzerheide — beim eidg. Post-und Eisenbahndepartement in Bern ein Gesuch um Konzessionierung einer Schlittenseilbahn von Val Sporz bis zum Plateau von Tgantieni ein. Die Gemeinde befürwortete das Projekt «mit Rücksicht auf die Hoffnungen, welche seitens des Kurortes Lenzerheide an die Förderung des Wintersportes durch diese Anlage geknüpft werden» trotz Vorbehalten zum Anschluss des 40 HP Elektromotors an die damals dürftig ausgebaute Hochspannungsleitung der Gemeinde. In einem aus heutiger Sicht schwindelerregenden Tempo wurden die Konzession erteilt, die Bahn gebaut und in Betrieb genommen.»

Die Bahn wurde 1936 von Arnold Annens «Schlitten-Vertrieb Gstaad» gebaut und zum Preis von Fr.18'771.75 an die Betreiber verkauft, wobei die «Schlitten-Vertrieb Gstaad» bei diesem Auftrag einen Verlust von Fr.505.90 machte. Interessant ist der folgende Auszug aus dem Geschäftsbericht 1936/37 der «Schlitten-Vertrieb Gstaad» über die Baukosten, der auch belegt, dass der mechanische Teil der Anlage von den Gebr. Siegrist in Sachseln und der Motor von der MFO geliefert wurden:
 

Wer mehr Details über die Baukosten, die Lieferanten, etc. wissen möchte, findet diese im oben erwähnten Geschäftsbericht 1936/37.

Über den Betrieb der Funi schreibt Fritz Ludescher: «Der Betrieb der Funibahn (Antriebsmotor unten – oben und unten Umlenkrollen) erforderte den Einsatz eines Kassiers, eines Maschinisten, eines Streckenwartes und zweier Schlittenführer. Vor allem von den Schlittenführern wurden Erfahrung und Steuerkünste verlangt. Jakob Altheer, der letzte noch lebende Schlittenführer [leider am 16.5.06 gestorben] der Funibahn Lenzerheide erinnert sich, dass insbesondere im Frühjahr die Erwärmung dem Trasse sehr zu schaffen machte, sich die Seilführungsrollen an Geländeübergängen in den Schnee einfrassen und der Schlitten des öftern nur mit Mühe in der Spur gehalten werden konnte. Der Streckenwart hatte peinlichst zu beachten, dass die Rollen frei und rund liefen und gut geschmiert waren. Am Abend wurden die Schlitten in der Bahnmitte parkiert und die beiden Schlittenführer machten sich — oft durch hüfthohen Schnee — auf den Heimweg. Am nächsten Morgen musste vielfach das Trasse erst wieder fahrbereit gemacht werden.»

Schon bald ergaben sich Kapazitätsschwierigkeiten, es wurden zusätzliche Sitzplätze vor dem Schlittenführer angefügt. Einer Denkschrift vom 17. März 1941 von E. Rüegger zu den Skilift-Projekten Piz Danis und Piz Scalottas ist folgende Einleitung zu entnehmen: «Die Saison, die zu Ende geht, hat die Hoffnungen, die in sie gesetzt wurden, leider nicht erfüllt. Die Ursache liegt entschieden zu einem guten Teil in dem Fehlen eines Skiliftes oder einer andern Transportmöglichkeit bis auf den Kamm einer Bergkette. Die Funibahn, die vor 5 Jahren gebaut wurde, genügt den Ansprüchen der Schweizergäste, auf die wir vorderhand ausschliesslich angewiesen sind, nicht mehr ganz; mit der fortschreitenden Vervollkommnung weiter Kreise im Skifahren werden immer längere und rassigere und leicht erreichbare Abfahrtspisten gefordert...»

Die Funi nach Tgantieni vermochte die geforderte Kapazität von 300 Personen pro Stunde nicht mehr zu bewältigen und musste angepasst werden. Sie zog ihre markante Spur letztmals im Winter 1942 von Val Sporz nach Tgantieni. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde die Anlage jedoch zu einem Skilift um- und nicht neugebaut.

Interessant ist auch, was Fritz Ludescher über das Folgende schreibt: «Den Bedürfnissen der Skifahrer war damit Rechnung getragen. Doch auch die Fussgänger, die nun die Funibahn schmerzlich vermissten, strebten in sonnige Höhen. Nach Jakob Altheer wurde deshalb ein Schlittengefährt für zwei Personen konstruiert, welches [am Skilift] von einem Bahnangestellten auf Skiern nach oben gezogen wurde. Nach ausgiebiger Rast in Tgantieni wurden die Passagiere im gleichen Gespann in rassiger Abfahrt zu Tale gebracht. Dafür wurde eine eigene Schlittelbahn bereitgestellt.»

Anmerkung: Das war nicht das Ende dieser Funi: Nach dem Umbau der Funibahn in einen Skilift wurden beide Schlitten in der Remise der Pension «zum Franz» eingelagert und die Funi als Ganzes wurde 1946 ein zweites mal, diesmal in Valbella nach Sartons im Trasse des heutigen Valbella-Liftes erneut aufgestellt.

Während bereits die Funibahn mit erstaunlichen Frequenzen erfolgreich geführt werden konnte, sind auch die Erfolgszahlen der Funilift AG (Skilift Tgantieni) in den Kriegs- und Nachkriegsjahren — vor der Fusion zur Skilifte Tgantieni-Piz Scalottas AG — recht beachtlich:

 Betriebs-Ergebnisse Funilift AG (in CHF)  
 Saison   Einnahmen   Ausgaben   Überschuss 
 1942/43    26 053   21 564   4 489 
 1943/44   27 841   22 038   5 803 
 1944/45   34 756   24 313   10 443 
 1945/46   43 631   18 091   25 540 
 1946/47   43 035   15 988   27 047 
 

Technische Daten
 Ersteller:   Arnold Annen 
 «Schlitten-Vertrieb Gstaad» 
 Betreiber:   Genossenschaft «Funi», später 
 «Funilift AG» (Skilift Tgantieni)
 Länge:   1200m 
 Höhendifferenz:   320m
 Fahrzeit:  . Minuten
 Stundenleistung:   .. Personen
 Grösse der Schlitten:   .. Personen + Schlittenführer 

Fotos

Poster Funi
Talstation
Auf der Strecke
Poster Skilift
Betrieb an der Talstation
Blick zur Talstation
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Fortsetzung:   Teil 4 - Funi Braunwald