Der Dorfbrand von Stein
29. März 1947
 

Stein vor dem Brand (undatiert)

35 Firste in Stein eingeäschert

 Die kleine, etwa 500 Einwohner zählende Gemeinde Stein zwischen Nesslau und Alt St. Johann im Obertoggenburg, deren mit Schindeln bedeckten Holzhäuser zu beiden Seiten der Thur stehen, ist am 29. März 1947, am Tage vor Palmsonntag von einem furchtbaren Brandunglück heimgesucht worden, dem in einem Umkreis von 3 1/2 Kilometern und 300 Metern Höhendifferenz 18 Wohnhäuser und 17 Scheunen und Ställe zum Opfer fielen.

Foto: Archiv Kantonspolizei St. Gallen, besten Dank!

Am Morgen des 29. März 1947 stürmte ein starker Föhn durch das Obere Toggenburg, der viel Saharastaub mit sich führte, der die Landschaft verdüsterte. Um 1300 Uhr brach im Gasthaus «Ochsen» ein Brand aus. Obschon beim Feueralarm eiligst die beiden Pumpen der Feuerwehr Wasser aus der Thur in die Flammen spritzten, schlugen schon bald die Flammen aus dem Dach. Obwohl beim Läuten der Feuerglocken das ganze Dorf zu Hilfe eilte, stand schon bald das ganze Gebäude lichterloh in Flammen, der Föhn machte alle Löschversuche immer wieder zu nichte.

Der starke Wind wirbelte brennende Schindeln und Gluten hoch auf und trug sie weit herum. Unglücklicherweise waren damals die meisten Gebäude entsprechend dem lokalen Brauch noch mit Holzschindeln statt mit Ziegeln gedeckt. So züngelte bald Feuer aus dem Dach der Scheune die zum Ochsen gehörte umd des benachbarten Hauses, die ausgedörrten Schindeldächer der umliegenden Häuser fingen ebenfalls Feuer. Und wenig danach standen auch die Häuser und Ställe im Dörfli und Hinterbühl in Brand. Die Feuerwehr war ohne Motorspritze und Hydranten fast machtlos. Wegen der bei Föhn herrschenden Windrichtung blieben in Stein die talaufwärts und die rechts der Thur liegenden Häuser verschohnt, doch in Windrichtung breiteten sich die Brände nach Westen über das Wandbleiktobel mehr als 3 Kilometer bis zur Laad aus (siehe Brandkarte der Gemeinde Stein).

Die Feuerwehren der umliegenden Dörfer Alt St. Johann, Wildhaus, Krummenau, Nesslau, Ebnat-Kappel eilten zu Hilfe, mit Postautos kamen die Löschmannschaften von Wattwil und Lichtensteig. Auch von Wil und St. Gallen soll Hilfe geleistet worden sein und sogar eine Motorspritze von Romanshorn wurde eingesetzt! Doch erst beim Abflauen des Windes und mit einsetzendem Regen konnte das weitere Vordringen des Feuers verhindert werden.

Im Nachlass meines Grossvaters August Steinmann, der von 1911 bis Anfangs der 60-er Jahre Redaktor bein St. Galler Tagblatt war,  fand ich diese Fotos. Der Text ist leicht gekürzt aus den damaligen Bildlegenden übernommen.

(auf dîe Bilder klicken, um sie zu vergrössern)

Rauchende Ruinen
Das Bild zeigt das Dorf Stein am Samstagnachmittag, 16Uhr, in Brand. Die Häuser rund um den Gasthof zum «Ochsen» sind in dichte Rauchwolken gehüllt, die vom Föhnsturm in Richtung Goggeienberg und Nesslau gejagt werden. Man erkennt bereits am Berghang oberhalb des Dorfes Häuser in Brand, teilweise drei Kilometer von der Staatsstrasse entfernt!
Legende image #01 Der Brandherd
Der eigentliche Brandherd ist die Wirtschaft «Ochsen» (linkes Bild im Vordergrund), die bis auf die Grundmauern niedergebrannt ist. Infolge des herrschenden Föhnsturmes griff das Feuer auf den ganzen Dorfkern über.

Im Hintergrund die katholische Kirche von Stein, die wie die Evangelische verschohnt blieb.
Legende image #01
Der zerstörte Dorfkern von Stein
Im Vordergrund die abgebrannte Ruinen des Brandherdes, des Gasthof «Ochsen». Das Feuer griff mit rasender Geschwindigkeit auf die Nachbargebäude über, von denen «Im Anker» (rechts oben) und die Metzgerei Metzger (links im Hintergrund) und das Haus des Dorfcoiffeurs ( rechts hinten) völlig eingeäschert wurden, sodass der Dorfkern völlig zerstört ist. 
Weitere  Brände in der Umgebung
Bauerngehöfte im einem Umkreis von 3 Kilometern und 200 bis 300 Metern Höhendifferenz wurden eingeäschert, was sich aus diesem Bilde aus dem Kauftacker sehr gut ersehen lässt. Es zeigt drei Brandstätten: im Talgrund, an der Berglehne und ganz oben auf dem Bergrücken (links).
Legende image #02
Legende image #06
Rauchende Ruinen
Legende image #10
Lösch- und Aufräumarbeiten

Einige weitere Informationen zum Dorfbrand finden sich auf der Homepage der Gemeinde Stein :

 Brandkarte
brandkarte.jpg

 Dorfplatz
dorfplatz.jpg

  Brandzentrum
brandzentrum.jpg
(Auf die Bilder klicken, um direkt zu diesen Informationen zu kommen)

Quelle/Link:
 http://www.stein-sg.ch/portrait/wissenswertes.php



Stein nach dem Brand


Der Wiederaufbau kostete über 2 Millionen Franken, woran die kantonale Gebäudeversicherungsanstalt ca. 850'000 Fr. beitrug. In der ganzen Schweiz konnte für die schwer getroffene Gemeinde noch einmal etwa gleich viel gesammelt werden und mit dieser freundeidgenössischen Hilfe konnte den Einwohnern geholfen werden, das Dorf wieder aufzubauen und die Schäden zu beheben.
 
Stein um 1950 Der wieder aufgebaute Dorfkern
um 1950
Stein um 1960

Auf die Fotos klicken um sie in voller Grösse anzusehen. Das grosse Bild erscheint in einem neuen Fenster.

 
updated:  14. Apr, 2008
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