Alt St. Johann, Gemeindewappen
Geschichte der Funi Iltios - Stöfeli 
Einleitung
 In den dreissiger und Anfangs der vierziger Jahre wurden eine ganze Reihe von Funi gebaut. Allen gut in Erinnerung ist die Wildhauser Funi von der Thur hinauf in's Oberdorf. Was viele aber nicht wissen ist, dass es auch einmal eine Funi vom Iltios hinauf zum Stöfeli gab. Dazu beigetragen hat natürlich, dass diese Funi nur ein Winter lang in Betrieb war und dann durch einen Skilift ersetzt wurde.

Wegen den Handänderungen der Bahn scheinen viele Unterlagen verlohren gegangen zu sein. Deswegen ist es (vorläufig) unmöglich, hier eine ausführliche Beschreibung der Geschichte dieser Stöfeli Funi zu geben, fast alles beruht auf 'Hören-Sagen' und mündlichen Erzählungen derjenigen, die diese Funi in ihrere Jugend noch erlebt haben.

Die Vorgeschichte - Hans Walder
 
Die Geschichte dieser Funi und des Skliftes aufs Stöfeli kann nicht erzählt werden, ohne zuvor auf Hans Walder, den Erbauer einzugehen.
Als Sohn eines Kaminfegers in St. Gallen wurde er zuerst Lehrer und übernahm 19?? als Gerant die Führung des Hotel Säntis in Unterwasser. Nach Erzählung älterer Einheimischer soll er sogar der Erste gewesen sein, der eine Bahn von Unterwasser aufs Iltios plante. Als Auswärtiger soll er aber mit seinem Projekt gegen die einheimischen Initianten der Iltiosbahn (u.a. Walter Looser, Hotel Sternen, Jakob Geisser, Kur- und Verkehrsverein Unterwasser) keine Chancen mehr gehabt haben, als diese nach dem Scheitern ihres Säntisbahnprojektes die Idee einer Bahn zum Iltios hinauf aufnahmen.
Das Berghaus & Restaurant Stöfeli

Wie auch immer, nachdem die Iltiosbahn im Juli 1934 ihren Betrieb aufgenommen hatte, liess Hans Walder 1935 auf eigenen Rechnung das Berghaus und Restaurant auf dem  Stöfeli (1684 m/M) erbauen.
Das gesamte Baumaterial musste damals auf dem Rücken von Saumtieren aufs Stöfeli gebracht werden. Das ursprüngliche Berghaus war jedoch kleiner als das heutige (siehe Foto links).


Aber der Erfolg und Andrang war so gross, dass sich das Haus offenbar rasch als zu klein erwies. Walder liess daher das Haus mit einem Anbau auf der Westseite vergrössern. Wer heute im Stöfeli-Restaurant einkehrt, kann dies heute noch erkennen: das Säli ist deutlichen mit der ehemaligen Aussenmauer vom Restaurant abgetrennt. Das Jahr des Anbaus ist nicht gesichert, er muss aber schon 1936 oder 1937 erfolgt sein, denn er ist auf den Fotos der Funi von 1938 bereits zusehen (Foto links unten).
Es wird erzählt, es hätten dort zwei besonders hübsche Serviertöchter gearbeitet, dafür sorgte Walder ebenfalls. Eine davon war die Wildhauserin «Büchel Trine» Forrer. Der Besitzer Hans Walder habe sich für beide interessiert. Tatsache ist, dass er schliesslich Theres, die andere, geheiratet hat. Nach seinem Tod zog seine Frau nach Vaduz und später nach Bad Ragaz, verbrachte aber noch bis vor kurzem immer noch einen Teil ihrer Ferien in der Talstation des Stöfelilifts.  Hans Walder muss eine eigenwillige Persönlichkeit gewesen sein. Über ihn werden noch heute zahlreiche Geschichten erzählt, doch weil sie nicht belegt werden können, kann hier darauf nicht eingegangen werden ...

Es bleibt noch zu erwähnen, dass das Berghaus Stöfeli seit damals zum Funi und zum Skilift gehört und auch heute noch vom gleichen Eigentümer (heute Fam. P. Steiner, Rest. Gaden, Gerant Niklaus Bleiker) betrieben wird.


Das Berghaus Stöfeli zur Zeit der Funi 1938
Das Berghaus Stöfeli von Süden 40er Jahre
Das Berghaus Stöfeli vermutlich 50er Jahre
Das Berghaus Stöfeli mit Chäserruggbahn 70er Jahre
Das Berghaus Stöfeli heute

Das Berghaus wurde seither auf der Südseite und an der Nordostecke angebaut und das Untergeschoss (u.a. die Toiletten, etc.) umgebaut, damit entstand die heute so beliebte Terasse natürlich auch der heutige Eingang samt Eisentreppe.
 

Das Stöfeli 2003
Gesamtansicht von Süden
Das Stöfeli 2003 aus der Chäserruggbahn
Das Berghaus Stöfeli 2003
Ansicht von Süden
Das Berghaus Stöfeli 2006, Aussicht gegen Süden
Das Berghaus Stöfeli
Sommer 2006
Das Berghaus Stöfeli 2006, der Wirt Niklaus Bleiker
Das Berghaus Stöfeli 2006, Maya Tobler
Das Berghaus Stöfeli 2007
von Süden
 
 
 
Abstieg vom Stöfeli
Ausssicht unterwegs
 
Die Geschichte der Funi 1938-1939

Hans Walder muss überzeugt gewesen sein, dass eine Bahn aufs Stöfeli die ideale Ergänzung zur Iltiosbahn und dem Skigebiet sei. Offenbar veranlasst durch den Bau der Funi Thur-Oberdorf im Nachbardorf Wildhaus und möglicherweise durch die Verfügbarkeit von Anlageteilen aus dem Umbau der Parsennbahnauf Doppelwagen (Bericht siehe Schweiz. Bauzeitung), fragte er darum mit Brief vom 29.Juli 1937 Arnold Annens «Funi Gstaad», ob sie unter Verwendung von Material der Parsennbahn eine Funi vom Iltios hinauf zum Stöfeli erstellen könnten. Die Antwort vom 8.Aug. 37 sei hier auszugsweise im Wortlaut zitiert: "... teilen Ihnen mit dass wir die Frage über die Verwendung einer Partie Occasionsmaschienen und Material der Parsennbahn nicht näher treten können, da wir uns auf den Bau der Anlagen unserer eigenen Konstruktion spezialisiert haben. Die teilweise Ueberdimensionierung und der weitgehende Umbau dieser Parsennmaschienerie würde es uns andererseits nicht erlauben Ihnen diejenigen Gaarantien zu leisten, die Sie normalerweise erwarten würden. ..." Statt dessen erhielt Walder von «Funi Gstaad» eine Offerte (5 Seiten) für den Bau einer Funi mit 2 Schlitten für je 19 Passagiere zum Preis von Fr. 43500.- .

Dafür wie die Verhandlungen mit «Funi Gstaad» weiter verliefen und ob es zum Vertragsabschluss kam, sind keine Belege erhalten. Weil jedoch Arnold Annen im April 1938 überraschend ohne Nachfolger starb (seine Wittwe war gezwungen, die Firma aufzulösen), kam vermutlich seine Firma «Schlittenvertrieb Gstaad» nicht mehr dazu, die Stöfeli Funi zu bauen.

Der Auftrag dazu ging deshalb an die Metallbaufirma «Von Roll» in Bern, die die Funi im Sommer 1938 erstellte. Allerdings war das aber nicht eine bewährte 'Annen-Funi', von denen mehrere bereits erfolgreich in Betrieb standen, sondern offenbar eine «Von Roll» Neukonstruktion (möglicherweise eine der ersten von «Von Roll» erbauten Funi). Im Vergleich zur kurz davor gebauten Wildhauser Funi war die Stöfeli-Funi für die damalige Zeit eine 'Hightech' Bahn die aber, wie es sich erwies, mit erheblichen, nicht behebbaren Konstruktionsfehler behaftet war.


Die Funi bei der Surenbodenhütte

Darüber, wie Hans Walder den Bau der Funi und des Berghaus Stöfeli finanzierte, ist leider nichts bekannt. Gemäss Handelsregister wurde die Bahn und das Gasthaus mit Gründungsdatum vom 18.11.1938 als «Stöfeli GmbH» eingetragen, die Bahn scheint Privatbesitz geblieben zu sein. Möglicherweise war auch Walter Kesselring (erster VR-Präsidemt der Drahtseilbahn Unterwasser-Iltios, hauptberuflich Direktor der damaligen Bodensee-Toggenburg Bahn) daran beteiligt, er hielt scheinbar eine Beteiligung als die Bahn an Kurt Lindenmeyer verkauft wurde. Bleibt noch zu erwähnen, dass die Gesellschaft am 11.12.2002 in eine Aktiengesellschaft mit einem Stammkapital von CHF 300'000.-- umgewandelt wurde.


Gesamtansicht der Anlage
gut sichtbar die Waldschneise für den Funi
Technische Daten
gem. Längenprofil vom 27.Jul. 1937
von H. Göldi, Grundbuchgeometer, Nesslau

Horizontale Länge 1231.9 m
Schiefe Länge 
1355.2 m.
Talstation, Höhe
1338 m.ü.M.
Bergstation, Höhe
1697.3 m.ü.M.
Höhendifferenz
359.3 m.
Maximale Steigung
54.7 %
Mittlere Steigung
29.1 %
Minimale Steigung
1.8 %
Mittlere Fahrgeschwindigkeit *
2.5 m/sek. *
Fahrtdauer *
9 min. *
* Gemäss Offerte von A. Annen «Funi Gstaad»

Oben an der Stöfelihalde
zur Zeit des Funi

Wie man im Gelände noch heute sehen kann, muss das Herrichten des Trassée recht aufwendig gewesen sein, vielerorts musste es erheblich planiert werden: im 'Steilhang' (oberhalb der Bergstation des heutigen Espel-Skiliftes) und bei der Surenboden Hütte scheint einiges an Material abgetragen worden zu sein und die letzten 300m vor der Bergstation mit der hohen Stützmauer sind mit einem Bergstrassenbau vergleichbar. Der Skilift profitiert heute noch davon!

 

Die Stationen befanden sich in den Gebäulichkeiten die auch heute noch für den Skilift benützt werden: die Schlitten scheinen (wiederum im Gegensatz zur Wildhauser Funi) in die Gebäude hinein gefahren zu sein (siehe Fotos), was z.B. auch die ungewöhnliche Grösse und Länge der heutigen Skilift Bergstation auf dem Stöfeli zu erklären scheint.

 

 
Die Schlitten für 25 Personen waren ebenfalls 'Hightech', waren aus Eisen, konnten gedeckt werden, hatten Scheibenwischer, ...  Sie hatten bewegliche Kufen, die vom Schlittenführer gesteuert wurden.
 


Damit mussten sie voll und ganz vom Schlittenführer 'auf Kurs' gehalten werden. Das war scheinbar gar nicht so einfach und soll gelegentlich über die Kräfte des Steuermannes gegangen sein, insbesondere da die Schlitten aus Metall und damit recht schwer gewesen sein sollen. Dazu kam, dass wegen dem coupierten Gelände die Schlitten an gewissen Stellen (z.B. in Mulden, etc.) vom Zug des Seiles angehoben wurden, die Steuerkufen hatten dann nicht mehr genügend Schneekontakt. Als Folge bohrten sich die Kufen in den weichen Schnee oder die Schlitten gerieten zuweilen aus der Spur, kollidierten dabei mit den Schneemauern, oder, im obersten Teil, mit der Felsmauer links oder mit dem Geländer rechts vom Trassée (die selben Schlitten von «Von Roll» kamen auch bei der fast gleichzeit gebauten Hornberg-Funi in Saanenmöser zum Einsatz, wo sie dann ebenfalls wegen Problemen mit der Steuerung mehrfach umgebaut werden mussten).
Es gibt sogar Leute, die erzählen, die Schlitten seien gelegentlich umgekippt ...

Abfahrtsmeister 1939
Karl Molitor
Das SSV Jahrbuch 1939 schreibt im Bericht zum "XXXIII. Schweiz. Skirennen in Unterwasser, 3./5. März 1939" (Schweizermeisterschaften) dazu folgendes:
"Auf die herrliche Alp- und Weideterrasse von Iltios führt eine moderne und leistungsfähige Seilbahn und erschliesst dort ein weites, vielgestaltiges Skigelände, wie man es selten trifft. Ueber die Waldgrenze hinauf zum Stöfeli schleppt ein neuer Funischlitten die Eiligen oder Bequemen."
Slalommeister 1939
Rudi Rominger
 
Die Stöfeli-Funi war nur im Winter 1938/1939 in Betrieb.
Wie Hans Walder in einem Brief an das Eidg. Amt für Verkehr schrieb, waren die technischen Probleme, besonders mit der Steuerung der Funi nicht befriedigend zu lösen. Möglicherweise war aber auch das stark coupierte Profil wenig geeignet für eine Funi.
Offensichtlich wurde der Betrieb nach den SSV Schweizermeisterschaften frühzeitig, d.h. sogar vor Ende der Wintersaison eingestellt und es gibt sogar Hinweise, dass der Bahn vom eidg. Amt für Verkehr die Betriebsbewilligung entzogen wurde. 

Deshalb wurde die Funi im Sommer 1939 demontiert, die Schlitten verkauft (wohin war bis jetzt nicht zu eruieren) und an ihrer Stelle wurde von der Firma «Oehler» ein Gurtenskilift erstellt.
Fortsetzung:  Der Ersatz - Der «Oehler» Gurtenskilift von 1939

up-dated:  26. Aug. 2007
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